Un ballo in maschera – Staatsoper Berlin | 01.04.2026

Besprechung von Markus Guggenberger

Un ballo in maschera

Melodramma in drei Akten

Musik von Giuseppe Verdi |
Libretto von Antonio Somma |

Musikalische Leitung: Enrique Mazzola |
Inszenierung: Rafael R. Villalobos |
Bühne: Emanuele Sinisi |
Kostüme: Lorenzo Caprile |
Licht: Felipe Ramos |
Video: Cachito Vallés |
Choreographie: Javier Pérez |
Einstudierung des Chores: Dani Juris |
Dramaturgie: Olaf A. Schmitt |

Riccardo: Charles Castronovo |
Renato: Amartuvshin Enkhbat |
Amelia: Anna Netrebko |
Ulrica: Anna Kissjudit |
Oscar: Enkeleda Kamani |
Silvano: Carles Pachon |
Samuel: Manuel Winckhler |
Tom: Friedrich Hamel |
Ein Richter: Junho Hwang |
Ein Diener Amelias: Michael Kim |

Im Rahmen der Festtage 2026 an der Berliner Staatsoper „Unter den Linden“ fügte sich auch Giuseppe Verdis „Un ballo in maschera“ am 1. April als gewichtiger Beitrag in das hochkarätige Programm ein – wenn auch mit einer anderen künstlerischen Akzentuierung als der vorangegangene „Rosenkavalier“.

Ein Blick auf die Entstehungsgeschichte des Werkes offenbart bereits dessen dramatische Vielschichtigkeit: Giuseppe Verdi komponierte die Oper in den späten 1850er Jahren, inspiriert vom Attentat auf den schwedischen König Gustav III. Zensurauflagen führten bekanntlich zur Verlegung der Handlung nach Boston, doch blieb der inhaltliche Kern unangetastet: ein dichtes Geflecht aus politischer Intrige, persönlicher Leidenschaft und tragischer Vorherbestimmung. Gerade diese Verbindung von intimer Emotion und öffentlichem Drama verleiht der Partitur ihren besonderen Reiz.

Musikalisch erreichte der Abend jedoch nicht durchgehend die Intensität, die man sich wünschen könnte. Das Dirigat von Enrique Mazzola erwies sich als solide und stellenweise durchaus elegant, ließ jedoch jene zwingende dramatische Zuspitzung und klangliche Raffinesse vermissen, die Verdis Musik in ihrer ganzen Farbigkeit zum Leuchten bringen. Die Berliner Staatskapelle spielte auf gewohnt hohem Niveau, wirkte dabei jedoch phasenweise etwas zurückhaltend, beinahe vorsichtig – ein insgesamt respektabler, aber selten elektrisierender Eindruck.

Umso stärker verlagerte sich das Gewicht des Abends auf die Sänger, die das Werk mit Leben erfüllten.

Im Zentrum stand Riccardo, gestaltet von Charles Castronovo mit charaktervoller Höhe und ausgeprägter Italianità. Die großen Arien überzeugten durch sichere Linienführung und elegante Phrasierung, die den Charakter zwischen unbeschwerter Lebensfreude und tragischer Vorahnung fein ausbalancierten. Besonders im letzten Akt verdichtete sich der Ausdruck spürbar und verlieh der Figur zusätzliche Tiefe.

Die Partie des Renato wurde von Amartuvshin Enkhbat mit kraftvoller Präsenz und dunkel timbrierter Stimme interpretiert. Seine Entwicklung vom loyalen Freund zum von Eifersucht gezeichneten Gegenspieler gelang sowohl darstellerisch als auch vokal überzeugend. Die dramatischen Ausbrüche besaßen Gewicht und Dringlichkeit, ohne in bloße Lautstärke abzugleiten; gerade in den Zuspitzungen offenbarte sich eine beeindruckende stimmliche Kontrolle – ein Bariton von bemerkenswerter Qualität.

Einen besonderen Glanzpunkt setzte Anna Kissjudit als Ulrica. Mit sonorer Tiefe und geheimnisvoller Aura entwickelte sie eine eindringliche Bühnenpräsenz. Ihre Szene geriet zu einem atmosphärisch dichten Moment, in dem sich musikalische und szenische Gestaltung zu einer fesselnden Einheit verbanden.

Die Amelia wurde von Anna Netrebko verkörpert; inwieweit diese Partie ihrer derzeitigen stimmlichen Verfassung entspricht, bleibt jedoch fraglich.

Insgesamt präsentierte sich dieser „Maskenball“ als eine solide, stellenweise sehr gut gesungene Aufführung, die insbesondere im orchestralen Bereich hinter ihren Möglichkeiten zurückblieb. Gleichwohl trug das engagierte Ensemble dazu bei, dass der Abend trotz eines eher zurückhaltenden Dirigats seine Wirkung nicht verfehlte – ein respektabler Beitrag zu den Festtagen, wenn auch ohne ganz großen Glanz.

© Markus Guggenberger

Titelbild: http://www.staatsoper-berlin.de – Pressemappe (Charles Castronovo, Anna Netrebko) / Photo-©: Stephan Rabold – honorarfrei
Besetzungszettel liegt im Original vor.

Abb.1: http://www.staatsoper-berlin.de – Pressemappe (Anna Netrebko, Amartuvshin Enkhbat) / Photo-©: Stephan Rabold – honorarfrei
Abb.2: http://www.staatsoper-berlin.de – Pressemappe (Ensemble) / Photo-©: Stephan Rabold – honorarfrei
Abb.3: http://www.staatsoper-berlin.de – Pressemappe (Charles Castronovo, Anna Kissjudit) / Photo-©: Stephan Rabold – honorarfrei


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